Brügg
Baugruppe C (Brügg, Dorfzentrum)
Beschreibung
Kernbereich der Baugruppe ist der fast quadratische Dorfplatz, der umgeben wird von dem heutigen Gemeindehaus (einem stattlichen Riegbau von 1830, urspr. als Schulhaus errichtet), den beiden Hotels Jura und du Pont sowie einem Wohn- und Geschäftshaus (Hauptstrasse 2). Die markanten Hotels entstanden beide um 1875 wohl als Reaktion auf die neue Strassenbrücke, die mit der 1. Juragewässerkorrektion 1872-73 über den Kanal erstellt wurde (1969/70 durch neue Betonbrücke östl. davon ersetzt). Die schmale Öffnung zwischen den Hotels fokussiert den Blick vom Schulhaus auf die Brücke. In umgekehrter Richtung bildet sie eine Pforte zum Platz bzw. zum Dorf. Den Auftakt der Hauptstrasse gegen W kanalisiert der Saalbau des Hotels du Pont mit dem gegenüberliegenden Wohn- und Geschäftshaus (Nr. 4). Die Gassenbildung wird durch das benachbarte Bauernhaus verlängert.
Die zum Dorfplatz leicht erhöht gelegenen Häuser an der Mett- und Obergasse stellen die erste Erweiterung des bäuerlich geprägten Brügg dar. Die Bebauung begann kurz vor M. 19. Jh. und war im 3. V. 19. Jh. weitgehend abgeschlossen. Das Bauernhaus Obergasse 6 stand bereits im 1. V. 19. Jh. Die strassendorfartige und lockere Bebauung der hangparallel verlaufenden Obergasse und der östl. davon steil ansteigenden Mettgasse besteht primär aus Bauernhöfen mit weit herabgezogenen Walmdächern mit Ründen und Fensterfronten aus Riegkonstruktion. Das Bauernhaus Obergasse 2 steht an der Gabelung und reagiert mit seinem Quergiebel auf die Mettgasse. Direkt gegenüber verengt das Stöckli den Gassenraum und formt damit eine Eingangssituation zur Obergasse. Den nördl. Abschluss des Strassenraums und der Baugruppe bildet das Bauernhaus Mettgasse 14. Davor zweigte früher die Gummenstrasse ab. Das renov. Schindlerhaus Mettgasse 3 rückt bis an den Strassenrand vor.
Im 4. V. 19.Jh. wurden neue Bauplätze durch die Auffüllung der Zihl neben dem heutigen Kanal geschaffen. Die idyllisch gelegenen Grundstücke von der Strassenbrücke an gegen W entlang des Kanalwegs wurden 1875 zur Versteigerung ausgeschrieben, das kleine Arbeiterwohnquartier entstand dann erst ab 1900. Das erste Haus wurde am Brückenkopf vor dem Hotel du Pont gebaut. Danach folgte die zum Nidau-Büren-Kanal parallele und leicht zurückversetzte Aufreihung meist giebelständiger, ähnlicher Häuser mit S-seitigen Gärten. Auffallend ist das Doppelhaus am Kanalweg 2/4, ausgestattet mit reicher Fensterverdachung.
Insgesamt handelt es sich bei der Baugruppe um ein interessantes Nebeneinander typologisch verschiedener Bauten. Der baumbestandene Dorfplatz verhilft räumlich zu einer guten Brückenkopfsituation. Die rundum dichte Bebauung schafft einen hervorragenden öffentlichen Raum, der sowohl Dorfzentrum wie Dorfeingang darstellt. Ober- und Mettgasse bewahrten ihren bäuerlichen Charakter und ihre räumlichen Qualitäten.
